Ein Porträt von Brasilien

Comixene - Fachmagazin Comic + Cartoon - Ausgabe Nr. 123 | Sommer 2017



Die vier fiktionalen, auf historischen Ereignissen beruhenden Geschichten in diesem Band stellen entscheidende Momente im Leben der Sklaven in der brasilianischen Kolonialzeit dar. In ihnen leisten die Protagonisten Widerstand gegen die Gewalt ihrer weißen Besitzer in den Zuckerrohrmühlen, sei es durch den Kampf um Freiheit, sei es durch die magische Befreiung des Todes.


Viele der heutigen Gesellschaftskonflikte in Brasilien haben ihre Wurzeln in jener Zeit: Nachdem die Sklaverei 1888 ohne Entschädigung an die ehemaligen Sklaven aufgelöst wurde, mussten viele von ihnen ohne Bildung, ohne sogar lesen und schreiben zu können, weiter in ihren alten Stellungen bleiben. Es folgte eine andauernde Vernachlässigung der schwarzen Bevölkerung, die bis ins 21. Jahrhundert reicht – man schaue sich die Hautfarbe der Einwohner von armen Vierteln in den brasilianischen Städten an. D´Salute weiß das sehr genau. Schon in einer Kurzgeschichte von ihm, die noch nicht ins Deutsch übersetzt wurde und in einer Favela in Sao Paulo spielt, findet man das Gesicht eines Sklaven aus Cube wieder.


D´Salute beherrscht die Comicsprache, und seine wechselnden Perspektiven sind eine Attraktion für sich. Um die Symbolkraft der porträtierten Kultur zu übertragen, hat die deutschsprachige Ausgabe das ursprüngliche Glossar wesentlich erweitert.


Dazu wurde die politische Dimension hervorgehoben, indem eine Frau – die einzige Protagonistin in den vier Geschichten – jetzt auf dem Cover zu sehen ist.



Rezensiert von: Augusto Paim
Link: www.comixene.com