Cumbe

COMICKUNST, 11.05.2017



Nach Brasilien, dem Land mit der heute größten schwarzen Bevölkerung außerhalb Afrikas, wurden 5 Millionen Sklaven verschleppt, elf Mal mehr als in die USA. Deren Geschichte ist bis heute ein Tabu und wurde bisher fast nur aus der Perspektive der Kolonialisten erzählt. Einer der bekanntesten Autoren Brasiliens erinnert hier in poetischer Bildsprache an fünf Sklaven, die gegen ihre Herren rebellierten. Nach wahren Begebenheiten, mit ausführlichem Glossar und Bibliographie. Cumbe verleiht Geschichten über die Kolonialzeit Farbe, Strich, Schatten und Wort. Die ersten Jahrhunderte der Kolonisierung und der Sklaverei in Brasilien bilden das Szenario dieses leise daherkommenden Werks Schwarzer Literatur – Erzählungen, in der Freiheit nicht selten Tod bedeutete. Und der Tod, Calunga, einen Neubeginn. Soweit der Verlagstext.

Der 1979 in Sao Paulo geborene Zeichner Marcelo D´Salete gehört zu den bekanntesten Comic-Künstlern Brasiliens, und auch in Frankreich und anderswo sind seine Alben erschienen. Cumbe hat er komplett in Schwarzweiß gezeichnet. Das erinnert entfernt an die Werke von José Munoz. Allerdings kommt D´Salete fast ohne Text aus, was die Intensität seiner Bilder erhöht und den Leser zwingt, genau hinzusehen, um seine Geschichten verstehen zu können.

Mein Fall ist das nicht, obwohl ich politische Alben mag – mir ist die erzählerische Ebene des Albums einfach zu dünn. Aber wer sich für die Geschichte der Sklaverei und die afrikanische Bantu-Kultur interessiert, sollte mal reinschauen. D´Salete hat eine Vielzahl typischer Bantu-Symbole in sein Album integriert, was den Geschichten zusätzliche Authentizität verleiht.



Rezensiert von: Peter Hetzler
Link: comickunst.wordpress.com/2017/05/11/cumbe/