Ein Illustrator erzählt die Geschichte des Widerstandes im Salzkammergut

Oberösterreichische Nachrichten, 21.8.2018



GMUNDEN. Thomas Fatzinek berichtet von Frauen und Männern, die gegen das NS-Regime kämpften.

Das Salzkammergut war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nicht nur ein Fluchtpunkt für hochkarätige Nationalsozialisten wie Ernst Kaltenbrunner, der im Mai 1945 von US-Soldaten bei der Wildenseehütte verhaftet wurde. Auch der Widerstand gegen den Faschismus konzentrierte sich am Fuß des Dachsteins. In der Arbeiterhochburg gab es überdurchschnittlich viele Kriegsdienstverweigerer und Partisanen. Etliche von ihnen hatten bereits gegen den christlichsozialen Austrofaschismus gekämpft.

An die Prominenteren von ihnen erinnert man sich noch heute. Beispielsweise an den Bad Ischler Sepp Plieseis oder den Bad Ausseer Albrecht Gaiswinkler, die beide Widerstandsgruppen gründeten, Wehrdienstverweigerer in den Bergen versteckten und sogar Attentate auf Nazi-Größen planten.

Doch es gab auch viele andere, die sich unter hohem Risiko gegen das NS-Regime einsetzten, darunter auch Frauen. Ihre Schicksale hat der Illustrator Thomas Fatzinek (53) jetzt in einem Buch der besonderen Art zusammengefasst. Es handelt sich um eine biografische Skizzensammlung in Form einer Graphic Novel. Der gebürtige Linzer, der in Wien lebt, zeichnete die Schicksalsgeschichten von Menschen wie Maria Ehmer, die den Partisanen aktiv half und dafür von der Gestapo ins Gefängnis verschleppt wurde, wo sie beinahe starb. Oder die Geschichte der Altausseerin Marianne Feldhammer, die die Partisanen in den Bergen mit Lebensmitteln versorgte und deren Mann Karl vor ihren Augen erschossen wurde.

Zwei Jahre lang hat Fatzinek für sein Buch recherchiert und in Bibliotheken auch historische Diplomarbeiten eingesehen. "Die Partisanen im Salzkammergut faszinierten mich schon immer", sagt er. "Ich möchte, dass diese Frauen und Männer in Erinnerung bleiben."

Dass die Bildergeschichten, die er aus den Schicksalen machte, sehr einfach gehalten sind, und dass er die Dialoge auf das Wesentliche reduzieren musste, macht das Buch noch eindringlicher. Fatzinek erreicht mit dieser Art der Erzählung außerdem ein Publikum, das mit textlastigen historischen Abhandlungen weniger anfangen kann.



Rezensiert von: Edmund Brandner
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